34 - Vertrauen in den Körper nach Long Covid
Warum Heilung kein Mindset-Thema ist – und wie du wieder Kontakt zu deinem Körper findest
26.08.2026 17 min
Zusammenfassung & Show Notes
Wie findest du Vertrauen in einen Körper, der dich seit Wochen, Monaten oder Jahren unberechenbar im Stich lässt?
Ich vergleiche das mit einer Freundschaft: Wenn jemand dich immer wieder enttäuscht, hörst du irgendwann auf zu vertrauen – nicht aus Entscheidung, sondern weil dein Nervensystem sich schützen will. Genauso lernt dein Nervensystem bei ME/CFS, Long Covid und Post-Vac, Körperempfindungen lieber auszublenden. Kurzfristig sinnvoll, langfristig ein Problem, denn Heilung passiert mit dem Körper, nicht ohne ihn.
Ich vergleiche das mit einer Freundschaft: Wenn jemand dich immer wieder enttäuscht, hörst du irgendwann auf zu vertrauen – nicht aus Entscheidung, sondern weil dein Nervensystem sich schützen will. Genauso lernt dein Nervensystem bei ME/CFS, Long Covid und Post-Vac, Körperempfindungen lieber auszublenden. Kurzfristig sinnvoll, langfristig ein Problem, denn Heilung passiert mit dem Körper, nicht ohne ihn.
Ich zeige dir einen ersten, sehr kleinen Schritt zurück in den Kontakt: eine Körperstelle finden, die sich neutral oder sogar gut anfühlt, und bewusst dort bleiben. Selbst wenn es nur der Haaransatz ist, wie bei einer Klientin von mir.
Das ist Neuroplastizität in Aktion – jede Wiederholung solcher Momente zeigt deinem Nervensystem: Ich bin sicher. Ganz wichtig ist mir dabei klarzustellen: Heilung ist keine Frage des Mindsets, sondern ein großes Puzzle aus vielen Teilen. Dein Körper tut immer das Beste, was ihm gerade möglich ist – das verdient Mitgefühl statt Ungeduld.
Das ist Neuroplastizität in Aktion – jede Wiederholung solcher Momente zeigt deinem Nervensystem: Ich bin sicher. Ganz wichtig ist mir dabei klarzustellen: Heilung ist keine Frage des Mindsets, sondern ein großes Puzzle aus vielen Teilen. Dein Körper tut immer das Beste, was ihm gerade möglich ist – das verdient Mitgefühl statt Ungeduld.
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Transkript
Wie kannst du eigentlich das Vertrauen in deinen Körper wiederfinden, wenn er dich doch jetzt schon seit Wochen, Monaten, vielleicht auch schon seit Jahren im Stich gelassen hat?
Oder anders gefragt, wenn dein Körper über Monate oder Jahre unberechenbar war. Wie kannst du lernen, ihn wieder als Verbündeten zu sehen?
Ich glaube, das ist kein einfaches Thema, aber ein sehr wichtiges auf dem Weg der Genesung.
Hallo, hier ist Anke Stadelbauer von Vagusbalance Long Covid. Ich freue mich, dass du da bist.
Das ist Teil 3 dieser kleinen Podcast-Reihe und ich hoffe, dass es noch weiter geht, aber dazu später mehr.
Und ich möchte jetzt erstmal mit dir ankommen.
Bitte guck doch mal, wo du gerade bist, sitzt oder liegst.
Schau dich mal ganz ruhig im Raum.
Was siehst du da?
Wenn du im Dunkeln liegst, weil du Licht nicht verträgst, dann kannst du dir vielleicht vorstellen, was hier oder dort steht, da stehen würde.
Es kommt nur darauf an, dem Gehirn das Signal zu geben, in Sicherheit zu sein.
Nimm das einfach wahr.
Hier und jetzt bist du sicher.
Schau mal, wie das ist, wie dein Körper darauf reagiert.
Hier und jetzt bin ich sicher.
Warum geht eigentlich das Vertrauen verloren?
Stell dir vor, du hast einen Freund und dieser Freund lässt dich immer wieder im Stich, meldet sich nicht, kommt nicht mehr, verlässt dich einfach ohne Vorwarnung.
Und du hörst auf, ihm zu vertrauen.
Das ist keine Entscheidung, die du da bewusst triffst, sondern es passiert einfach.
Denn du merkst, ich kann mich nicht vertrauen.
Oder ich kann nicht auf diesen Freund vertrauen.
Und dann möchtest du nicht verletzt werden und deswegen vertraust du nicht mehr.
Und so ähnlich ist das auch mit unserem Körper, bei einer gelangen Erkrankung.
Du hast gelernt, Vorsicht, mein Körper ist ja unzuverlässig.
Also das, was ich früher noch machen konnte, das geht jetzt nicht mehr.
Jetzt kann es sein, dass ich beim Zähneputzen eine Pause einlegen muss.
Eine kleine Anstrengung kann auslösen, dass ich tagelang erschöpft bin.
Ein schönes Fest, auf das ich früher gegangen bin und vielleicht einen kleinen Kater hatte am nächsten Morgen,
das bewirkt, dass ich eine ganze Woche das Bett nicht verlassen kann, weil alles einfach zu viel war.
Du bist dann in einem richtigen Crash, obwohl du vielleicht auch Vorbereitungen getroffen hast.
Vielleicht bist du im Rollstuhl auf dem Fest gewesen, hattest eine Sonnenbrille auf, Kopfhörer drin im Ohr und trotzdem kommt der Crash.
Du kannst deinen Körper einfach nicht mehr richtig einschätzen.
Beziehungsweise machst du viele Erfahrungen damit, dass du ihn falsch einschätzt.
Und dass er halt so reagiert, wie du es vielleicht nicht erwartet hättest oder nicht in der Intensität, wie du es erwartet hättest.
Und so entsteht eine Schutzstrategie, denn dein Nervensystem zieht daraus seine Schlüsse.
Es lernt, Körperempfindungen können sehr gefährlich sein, die ignoriere ich besser.
Und kurzfristig mag das sinnvoll sein, aber langfristig verstärkt dieses Ausblenden oder nicht spüren wollen oder können das Problem.
Denn die Heilung passiert ja mit dem Körper und nicht obwohl er da ist, sondern der Körper ist ein Teil, ein wesentlicher Teil deiner Heilung.
Und bevor du heilen kannst, musst du auch wieder in Kontakt gehen mit ihm.
Und ich möchte jetzt nicht davon sprechen, dass Heilung passiert durch Kontakt mit dem Körper oder durch eine besondere Strategie, die du fahren kannst, ein besonderes Denken oder Übungen oder ähnliches.
Also Heilung bei ME-CFS und das schließt Long Covid und Post-Vac mit ein, ist ein sehr, sehr vielfältiger, ein großer, ach jetzt fehlt mir das Wort, jetzt habe ich eine Wortfindungsstörung.
Also Heilung besteht jedenfalls nicht aus einer Sache.
Wir haben nicht dieses eine Tool, um gesund zu werden.
Ja, also wenn jemand eine Krebserkrankung hat, dann wird sofort das volle Programm gefahren.
Dann gibt es eine Operation und dann gibt es eine Chemotherapie und dann gibt es eine Reha.
Also meistens, so sieht es meistens aus.
Die Chemotherapie ist eine ganz typische Therapie, um Krebs zu überwinden.
Und das gibt es bei uns einfach nicht.
Wir müssen unsere Heilungswege, unsere Therapie zusammen puzzeln.
Bei uns ist das ein großes Puzzle und wir wissen nicht mal, wie viele Teile hat es eigentlich und wie passen die Teile zusammen?
Welche Teile brauche ich eigentlich?
Welche Teile passen zu meinem Körper?
Und das möchte ich jetzt einfach nochmal sagen.
Also es geht hier nicht darum, dass du mit Mindset heilen kannst, weil das stimmt einfach nicht.
Also ganz klar, Heilung ist keine Frage des Mindset.
Trotzdem ist wichtig, um heilen zu können, auch Kontakt mit dem Körper aufnehmen zu können.
Deinen Körper wieder als Freund zu betrachten und nicht als jemand, der dir schaden möchte.
Denn dein Körper verhält sich einfach nur so, wie er kann.
Also das ist etwas, was du dir immer wieder klar machen darfst.
Dein Körper tut das Beste, was ihm in der jetzigen Situation möglich ist.
Mehr geht nicht.
Und das gilt es anzuerkennen und auch dankbar dafür zu sein, auch wenn das nur sehr, sehr wenig ist.
Ja und wie kommen wir denn jetzt wieder in Kontakt mit unserem Körper?
Wie können wir anfangen, neutrale oder positive Empfindungen wahrzunehmen?
Denn das ist der erste Schritt.
Denn die ganzen negativen Empfindungen, die sind ja sowieso da.
Und die brauchen wir uns nicht zu kümmern.
Die werden wir wahrnehmen.
Es geht mir darum, dass du etwas Positives spürst.
Und deinen Körper wieder als Freund oder Freundin zu empfinden.
Also schau doch mal in deinem Körper, ob es da eine Stelle gibt, die sich gerade gut anfühlt und wenn nicht gut, dann ein bisschen okay oder weniger schlecht als der Rest.
Schau doch mal.
Also ich hatte einmal eine Klientin, die hat gesagt, sie hat am ganzen Körper Schmerzen.
Und sie hat einfach keine Stelle gefunden, die sich gut angefühlt hat.
Und dann habe ich gefragt, und wo hast du weniger Schmerzen als am ganzen Körper?
Wo am Körper sind etwas weniger Schmerzen?
Und dann hat sie gesagt, am Haaransatz.
Und das ist mir so im Gedächtnis geblieben, weil ich war sehr beeindruckt, dass sie das festgestellt hat.
Und das ist ein Ansatz.
Das ist ein Schritt.
Ein erster Schritt.
Ach, am Haaransatz tut es weniger weh.
Vielleicht ist es sogar ein bisschen angenehm.
Und dann bleib da mal.
Bei dir kann es ja eine ganz andere Stelle sein.
Aber was ist weniger unangenehm als der Rest?
Oder fühlt sich sogar gut an oder wenigstens neutral?
Vielleicht sind das auch die Hände.
Oder vielleicht fühlt sich der Atem ja ein bisschen angenehmer gerade an.
Und dann bleib einfach da und sei mal neugierig.
Nimm das einfach wahr.
Und sei neugierig, was passiert.
Taucht noch etwas auf.
Vielleicht ein Kribbeln und ein bisschen Wärme.
Vielleicht ein kleiner Säufzer aufatmen.
Vielleicht auch ein Gedanke oder ein Gefühl von Lächeln wollen.
Das sind ganz kleine Dinge, aber die zeigen dir, dass du auf dem richtigen Weg bist.
Nämlich auf dem Weg, etwas Positives wahrzunehmen.
Also eine Ressource.
Ich habe ja schon in der letzten Podcast-Folge über Ressourcenstrudel und Traumastrudel gesprochen.
Beziehungsweise über diese Waage.
Auf der einen Seite Trauma mit seinen Erfahrungen, Erleben, Schmerzen.
Und auf der anderen Seite die Ressourcen mit dem Erleben.
Mit dem Erleben von Wohligkeit, angenehmen Gefühlen und Wahrnehmung.
Und da wollen wir wieder hin.
Denn das Nervensystem tendiert natürlich dazu, immer nach dem Schlechten zu scannen.
Das ist ja unser Überlebensschutz.
Wir kommen ja aus den Höhlen und es war einfach wichtig, genau zu wissen, wo die Gefahr lauert.
Deswegen mussten wir immer gucken, wo ist das Negative, wo könnte es gefährlich sein.
Und wir wollen das jetzt umtrainieren, dass du auch das Angenehme wahrnimmst.
Denn mit jeder Wiederholung können neue neuronale Verbindungen entstehen.
Und dein Gehirn lernt, ach guck mal, es gibt auch Momente, wo mein Körper sich wenigstens teilweise,
zum Beispiel am linken Handgelenk, okay anfühlt oder sogar gut.
Und das ist Neuroplastizität.
Und diese kleinen Erfolge, die solltest du ernst nehmen.
Denn das zählt.
Und zwar, weil das Nervensystem genauso lernt, durch immer wieder sich wiederholende Erfahrungen von Sicherheit.
Oh, ich habe heute fünf Minuten gesessen und es hat mir gut getan.
Es ist nichts passiert.
Ich habe eine Übung gemacht und danach war ich nicht erschöpfter als sonst oder nicht erschöpfter als vorher,
sondern ich habe mich sogar sicher gefühlt.
Und das sind alles Kleinigkeiten.
Und die sind wichtig, denn das sind Informationen, die deinem Körper immer wieder signalisieren,
Hey, du bist sicher.
Und je öfter du diese Momente wahrnimmst und auch würdigst, desto stärker werden sie.
Etwas anderes, was mir persönlich auch sehr geholfen hat zu verstehen,
warum mein Körper so reagiert, wie er reagiert,
ist der Vagusnerv.
Nochmal von vorn.
Mir persönlich hat es auch sehr geholfen, mehr über meinen Körper und mein Nervensystem zu verstehen.
Also über den Vagusnerv, mich zu informieren, Übungen zu machen, die den Vagusnerv aktivieren
und mich überhaupt mit dem Nervensystem zu beschäftigen.
Durch meine Ausbildung in Somatic Experiencing hatte ich dafür natürlich schon eine gute Grundlage,
denn wir arbeiten ja beim SE mit dem Nervensystem.
Wir arbeiten ja nicht mit dem Trauma als Ereignis oder mit der Situation, die das Trauma ausgelöst hat,
sondern wir arbeiten mit dem Nervensystem im Hier und Heute.
Und so habe ich gelernt, auch meinen Körper nicht als Feind anzusehen
oder dass ich ihn sogar bekämpfen müsste,
sondern ich sehe meinen Körper jetzt als jemanden, der einfach viel trägt
und der sich so verhält, wie er sich nur verhalten kann.
Er ist erschöpft.
Er hat einfach viel zu tun.
Er kämpft vielleicht gegen alte Virusreste, Spike-Proteine und was weiß ich noch alles.
Er hat mit Mitochondrien zu tun, die kaputt sind und muss trotzdem funktionieren,
obwohl die Mitochondrien kaputt sind.
Und obwohl ich Defizite hatte, inzwischen zum Glück nicht mehr in verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen.
Also mein Körper musste sich sehr, sehr anstrengen in den letzten Jahren.
Und wenn ich das von dieser Seite betrachte, dann kann ich ihm wirklich dankbar sein.
Und ja, er ist sehr müde geworden dabei und erschöpft.
Und ich, ja, als Leistungswesen fiel mir das natürlich sehr schwer zu akzeptieren.
Und trotzdem ist das der Weg gewesen, zu akzeptieren, dass mein Körper eben nur das macht, was er kann.
Und dass ich ihm die Pausen gebe, die er braucht.
Und auch, mir hat auch geholfen, mehr über diese Kampf- und Fluchtreaktion zu verstehen.
Und dass mein Crash, dieser Shutdown, einfach nur der Versuch meines Körpers ist, mich überleben zu lassen.
Denn dauerhaft im Alarmmodus oder im Kampf- und Fluchtmodus zu sein, hält ja kein Mensch durch.
Also kommt irgendwann der Dorsale-Vagus und sagt, ja, Schluss jetzt.
Jetzt brauchst du mal eine Pause.
Und das ist dann der Shutdown.
Weil es mir nicht gelungen ist, über den ventralen Vagus in die Entspannung zu gehen,
weil ich in einem dauerhaften Alarmzustand war.
Und musste sich, dann musste sich der Dorsale-Vagus einschalten.
Und dann kam es zum Crash.
Und wenn ich das, oder als ich das verstanden habe,
dann konnte ich meinem Körper auch nicht mehr böse sein,
weil ich ja, ja, verstanden habe, warum er reagiert, wie er reagiert.
Und das wünsche ich dir auch, dass du ein bisschen mehr Vertrauen in deinen Körper bekommst
und auch Verständnis hast für ihn.
Sei geduldig mit dir, sei geduldig mit deinem Körper.
Ihr habt beide sehr viel durchgemacht
und er verdient dein Mitgefühl und nicht deine Ungeduld.
In der nächsten Folge schauen wir uns an, worüber selten gesprochen wird,
nämlich, dass auch ein Aufwärtstrend, also eine Verbesserung der Symptome,
vielleicht sogar Genesung, selbst zur Herausforderung werden kann.
Und wir sprechen natürlich auch darüber, was du dann tun kannst.
Ich hoffe, dir hat die Folge gefallen.
Abonniere doch gerne diesen Podcast.
Ich würde mich sehr freuen, wenn du meine Hörerin oder mein Hörer bleibst.
Und ich verlinke dir noch Blogartikel, die auf diese Folge hinweisen,
dass du dich ein bisschen noch ins Thema einlesen kannst, wenn du magst.
Mach's gut und bis zum nächsten Mal.
Deine Anke