VAGUSBALANCE Long Covid

Anke Stadelbauer

31- Long Covid, Trauma und Nervensystem verstehen

Warum dein Nervensystem bei ME/CFS, Long Covid und Post-Vac so reagiert, wie es reagiert – und warum das kein Zeichen von Schwäche ist

05.08.2026 15 min

Zusammenfassung & Show Notes

Du hast Long Covid, Post-Vac oder ME/CFS und fragst dich, ob da vielleicht noch ein altes Trauma mitspielt – oder ob die Erkrankung selbst dich traumatisiert hat? 

Nach einer längeren Pause starte ich Vagusbalance Long Covid neu und steige direkt mit den Grundlagen ein: wie unser Nervensystem funktioniert und warum es bei ME (meine Sammelbezeichnung für Long Covid, ME/CFS und Post-Vac) so aus der Balance gerät. 

Ich erkläre den Unterschied zwischen normaler Stressreaktion und Traumafolgestörung – und warum bei ME oft beides zusammenkommt, körperlich, psychisch und sozial. Peter Levine beschreibt Trauma nicht als Ereignis, sondern als Zustand des Nervensystems, der noch nicht abgeschlossen ist. Genau das trifft bei ME besonders zu, denn die Gefahrensituation ist oft noch gar nicht vorbei. Dein Nervensystem ist also nicht kaputt, es hat gelernt zu überleben – und in der nächsten Folge zeige ich dir, was konkret hilft, wenn es überwältigt ist.

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Transkript

Du hast Long Covid, Post-Vac oder sogar ME/CFS und möchtest dein Nervensystem besser verstehen, weil du auch nicht ganz sicher bist, ob du auch ein Trauma hast, was vielleicht noch alt ist oder ob die Erkrankung dich vielleicht auch traumatisiert hat. Dann bist du hier richtig. In dieser Podcast-Folge geht es darum, das Nervensystem gerade mit dieser Krankheit besser zu verstehen. Und ich möchte, dass du erstmal ankommst mit mir, so wie ich das ja hier auch in den alten Folgen gemacht habe. Ich hatte jetzt eine längere Pause, das ist einfach, hat ganz persönliche Gründe und jetzt starte ich wieder mit dir mit Vagusbalance Long Covid, herzlich willkommen. Komm doch an, mach es dir bequem, vielleicht sitzt oder liegst du gerade und dann spür doch mal, wie es gerade ist, da zu sein, nimm deine Füße wahr, wenn du sitzt, deine Sitzhöcker, wenn du liegst, auch deinen Rücken und guck mal, wie das ist, so angelehnt oder geerdet zu sein. Ist das gerade angenehm für dich oder weniger angenehm und nimm das einfach an, so wie es ist. Gib dir einen Moment Zeit, in den Körper zu horchen und vielleicht kommt ein tiefer Atemzug, so wie bei mir, dann ist das wunderbar, wir nennen das einen reflektorischen Atemzug, das ist ein Zeichen der Regulierung. Ja, noch einmal herzlich willkommen, wie schön, dass du da bist und heute soll es um die Grundlagen gehen für Long Covid und Trauma, dass du dein Nervensystem besser verstehen kannst, denn das Nervensystem ist ja sehr durcheinander, eine schwere Erkrankung ist da und die bedingt auch, also oder andersrum gesagt, dass diese Dysbalance im Nervensystem ist ein Symptom von Long Covid, ME/CFS, Post-Vac, übrigens werde ich das jetzt immer ME nennen, übergreifend, ich meine diese drei Formen der Krankheit, das ist für mich eine Krankheitsfamilie und ich betitel das dann mit ME. Ja, also was passiert, wenn wir diese Erkrankung haben, aus rein organischer Sicht ist das Nervensystem nicht mehr in der Lage sich zu regulieren und das hat auch nichts mit Willen zu tun oder mit Glauben oder vielleicht auch nicht mit Trauma, also Trauma spielt sicherlich mit rein, ist aber nicht die Ursache, es ist eine rein organische Ursache und da ich keine Medizinerin bin, möchte ich jetzt auch nicht anfangen das zu erklären, weil ich es wahrscheinlich auch nicht gut kann und ehrlich gesagt, ja mag ich mich jetzt da auch nicht in die Medizin reinarbeiten, also ich weiß einfach, dass es eine organische Ursache hat, Punkt und ich weiß auch, dass wir etwas tun können damit, also dann eben aus meiner Ecke nehme ich die Ecke von Somatic Experiencing heraus. So, also wir fangen jetzt erstmal damit an, wie funktioniert eigentlich das Nervensystem und warum reagiert es denn bei chronischer Erkrankung so wie es reagiert. Also unser Nervensystem ist ja ein Überlebenssystem und es arbeitet rund um die Uhr ohne, dass wir darüber nachdenken müssen und sobald wir eine Bedrohung wahrnehmen, ob körperlich oder emotional, schaltet das Nervensystem in den Aktivierungsmodus, also der Herzschlag steigt, die Muskeln spannen sich an, die Aufmerksamkeit schärft sich und wir nennen das Kampf- oder Fluchtreaktion. Eigentlich ist vor der Kampf- oder Fluchtreaktion noch eine Orientierungsreaktion, also du kennst das vielleicht vom Häschen auf der Wiese, es hört einen knacken und als erstes bleibt es still und lauscht, es regt sich in Richtung des Geräusches, um zu hören oder um herauszufinden, was ist denn das, ist das ein anderer Pflanzenfresser, ein Reh, dann kann ich ja weiter hier sitzen bleiben und vor mich hin mümmeln oder ist es ein Fleischfresser, ein Fuchs, dann renne ich mal lieber weg. Und in unserem Alltag und vor allem mit ME sind wir ständig in diesem Alarmmodus, weil wir einfach auch ganz akut bedroht werden, also allein der Gedanke an diese Krankheit und daran, dass es momentan keine heilenden Therapien gibt, das ist natürlich schon bedrohend genug, dass wir in so einer Überlebenschleife sind oder die Symptome, die du jeden Tag hast, auch das reicht, dass du im Aktivierungsmodus bleibst. Und normalerweise ist es so, dass wenn die Gefahr vorbei ist, dass das System wieder in den Ruhemodus findet und das ist eigentlich der Normalfall. So, wenn jetzt aber die Bedrohung nicht aufhört, weil nämlich der Körper die Quelle der Bedrohung ist, dann kann das Nervensystem nicht mehr abschalten, es bleibt also in dem Zustand dieser chronischen Alarmbereitschaft oder, das ist dann das andere Extrem, es schaltet komplett ab in die Erstarrung oder Taubheit. Also beide sind Überlebensmechanismen, beides sind Reaktionen auf etwas, was uns überwältigt. Ja, was ist jetzt eigentlich der Unterschied zwischen Stress und Trauma? Also hier ist ein ganz wichtiger Punkt, denn nicht jeder Stress ist auch ein Trauma oder führt zu einem Trauma. Aber chronische Erkrankungen, besonders wenn sie halt mit Hilflosigkeit, Kontrollverlust und auch sozialer Isolation verbunden sind, können traumatische Spuren hinterlassen. Und was unterscheidet jetzt also eine normale Stressreaktion von einer Traumafolgestörung? Wie kannst du das feststellen? Also bei normalem Stress ist es so, dass das Nervensystem sich aktiviert, die Situation bewältigt und sich dann wieder erholt. Du regulierst dich. Wenn ich jetzt wieder an das Häschen auf der Wiese denke, angenommen, da kommt jetzt wirklich ein Fuchs, das Häschen rennt weg, der Fuchs hat es nicht eingeholt, das Häschen ist vielleicht in seinem Bau und dann fängt es an zu zittern, das hast du vielleicht auch schon mal bei anderen Säugetieren beobachtet. Sie zittern dann und das nennen wir Entladung, denn die ganze Energie, die sich aufgestaut hat beim Häschen, damit es auch flüchten kann, muss ja auch irgendwo hin, hat ein bisschen abgebaut durch das, also das Häschen hat ein bisschen von dieser Energie abgebaut und von diesen Hormonen, in denen es geflohen ist, aber etwas ist noch da und jetzt zittert es. Ja, kleine Kinder zittern auch häufig, wenn sie heftige Wein-Anfälle hatten oder heftige Angst hatten, weinen und dann spüren, ich bin jetzt wieder sicher, die Mama ist da, ich bin nicht mehr alleine, dann fangen sie auch an zu zittern. Das ist also ein Zeichen, dass der Körper sich reguliert hat. So, bei Trauma oder bei PTBS bleibt das Nervensystem dysreguliert, es gibt keine vollständige Erholung und so typische Zeichen sind halt, dass man ständig überreizt ist, gereizt ist, lauter redet als notwendig, Schlafprobleme hat, weil das Nervensystem eben nicht runterfahren kann und denkt, ich muss jetzt aufpassen und man ist auch viel schreckhafter als normalerweise, es kann auch sein, dass eine emotionale Taubheit besteht oder das Gefühl von Unwirklichkeit oder du bist ständig innerlich angespannt, auch ohne Auslöser oder du machst eine Entspannungsübung und du merkst, ich kann überhaupt nicht runterfahren, also in mir dreht sich alles, also eigentlich will ich aufspringen, wenn ich nicht auch noch diese Erschöpfung hätte, die mich ja daran hindert, also es scheint dann nicht zusammenzupassen oder du hast vielleicht auch Flashbacks oder das Wiedererleben belastender Momente und diese Symptome sind überhaupt keine Zeichen von Schwäche, sondern das ist einfach dein Nervensystem und es hat gelernt, die Gefahr ist noch nicht vorbei. Das heißt, du reagierst ganz normal auf Erlebnisse, die unnormal sind, die so nicht hätten sein sollen, aber deine Reaktion darauf ist normal, auch wenn sie sich für dich nicht normal anfühlt. Was bedeutet das jetzt eigentlich für Long Covid und ME/CFS? Also bei ME erleben ganz viele Betroffene genau dieses Muster, manchmal direkt als Folge der Erkrankung, manchmal auch verstärkt durch die Belastung, also diese Ungewissheit, wie geht es jetzt eigentlich weiter, was kann ich machen, also von vielen Betroffenen weiß ich auch, dass sie überhaupt keine Ärzte oder Ärztinnen haben, mit denen sie reden können, die ihnen weiterhelfen, also auch meine alte Hausärztin, die jetzt glücklicherweise in Rente gegangen ist oder letztes Jahr in Rente gegangen ist, hat das einfach jahrelang nicht wirklich ernst genommen. Also ich will nicht sagen, dass sie mich nicht ernst genommen hat, aber sie hat einfach nicht gewusst, was sie damit machen soll und in sofern hatte ich einfach auch keine Behandlung und das ist natürlich auch eine Belastung für das Nervensystem und eine dauernde Gefahr, weil du nicht weißt, wann komme ich hier wieder raus. Also dieses nicht ernst genommen werden oder dann auch der Verlust von Arbeit, Verlust von sozialen Kontakten oder Lebensqualität ist einfach eine Bedrohung an sich und das Nervensystem kann dann bei ME also auf verschiedenen Ebenen belastet sein, also einmal körperlich natürlich, also unser Immunsystem, Herz-Kreislauf ist belastet, viele haben Pots von uns, dann gibt es einige oder sehr viele Betroffene, die auch Mastzell-Aktivierungssymptome haben oder wo das vegetative Nervensystem generell gestört ist durch eine Dysregulation. Also viele berichten von Überreizung, sie sind lichtempfindlich, geräuschemfindlich, berührungsempfindlich, das zeigt ja auch, dass das Nervensystem eben dysreguliert ist, weil es nicht mehr erkennen kann, dieser Reiz ist keine Gefahr, sondern der Reiz, der früher als normal oder sogar angenehm empfunden wurde, wird jetzt als Gefahr für den Körper eingestuft. So die nächste Ebene ist natürlich psychisch, also zu merken, ich kenne meinen Körper überhaupt nicht mehr, ich kann ihn nicht mehr kontrollieren, das ist natürlich extrem verunsichernd und alles, was früher normal ist, geht jetzt nicht mehr, auch das eine riesige Hürde und ja verunsichernd kann auch Traumasymptome auslösen, kann psychisch einfach auch sehr belastend sein. Dazu kommt natürlich auch die soziale Isolation, wir können uns nicht mehr mit Freundinnen treffen wie früher, vielleicht haben die auch keine Lust mehr sich permanent zu melden oder vorbeizukommen, weil es eben auch sehr einseitig ist, weil wir ständig absagen müssen, ich kenne das auch aus eigener Erfahrung, das ist einfach auch sehr, sehr belastend. Ja, ich möchte noch mal zurück zum Thema Trauma, das ist nämlich, wird von Peter Levine nicht als Ereignis beschrieben, sondern als Zustand des Nervensystems. Es ist nicht das, was passiert ist, sondern was mein Körper als noch nicht zu Ende wahrnimmt. Nämlich diese, wie ich es vorhin erklärt habe mit dem Häschen, das Häschen ist in seinem Bau und er lebt fertig, ich bin durch, ich habe es geschafft. Also diese Gefahrensituation ist als zu Ende erlebt. So, wir haben jetzt aber ME und die Gefahrensituation ist noch nicht zu Ende, wir wissen immer noch nicht, wie es mit unserem Körper weitergeht, wie wir ihm helfen können, wir haben immer noch keine Unterstützung, wir kämpfen vielleicht auch mit den Ämtern, mit Pflegegrad um Pflegegrad oder Grad der Behinderung, wir sind sozial isoliert, also die Gefahrensituationen sind einfach noch da und deswegen kann das Nervensystem nicht runterfahren, also das ist dann eben auch einer der Gründe, warum es nicht geht, weil es hat nicht verstanden, dass die Gefahr vorbei ist, weil sie ja auch real einfach noch existiert. Das Positive daran ist, dass das Nervensystem lernen kann, sich wieder zu regulieren. Du bist in der Lage, immer wieder deinem Nervensystem ein Gefühl von Sicherheit zu geben, indem du einfach die richtigen Voraussetzungen schaffst. Also, was hast du in dieser Folge oder was kannst du aus dieser Folge mitnehmen? Ich fasse noch einmal zusammen. Erstens, dein Nervensystem ist nicht kaputt, es hat auf etwas Überwältigendes reagiert und es hat gelernt damit zu leben und zu überleben. Zweitens, der Unterschied zwischen Stress und Trauma-Folgen liegt in der Regulierung. Kann dein Nervensystem wieder zur Ruhe kommen oder bleibt es stecken? Drittens, bei ME ist das Nervensystem oft auf mehreren Ebenen gleichzeitig belastet und das ist wichtig zu wissen und auch anzuerkennen. Versuch das nicht wegzumachen, versuch dich nicht drüber zu ärgern, sondern versuch es einfach zu akzeptieren als Tatsache und du wirst sehen, wenn du es schaffst, es zu akzeptieren, dass es so ist, dann wird es ein wenig leichter werden, weil du dann aufhörst zu kämpfen. Ja, und in der nächsten Folge schauen wir uns an, was die Stabilisierung bedeutet. Also, was konkret hilft denn, wenn das Nervensystem wieder überwältigt ist, zum Beispiel bei Flashbacks oder starker Erschöpfung? Ich hoffe, die Folge hat dir gefallen, folge mir gerne und ich freue mich auch, wenn du in mein Newsletter kommst. Dort gebe ich regelmäßig Tipps und auch Techniken mit zur Nervensystemregulierung und zur Stabilisierung. Du findest den Newsletter auf meiner Webseite ankestadelbauer.de unter dem Punkt "Kontakt Newsletter". Bis zum nächsten Mal!

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